Home - Die Alternative Wirtschaft

Die Alternative Wirtschaft

basisdemokratisch feministisch gewaltfrei ökologisch selbstbestimmt solidarisch




Dieser Artikel von Michael Schmid ist ursprünglich in "wien.direkt", der Zeitung der Wiener Grünen, erschienen.

Spitzensteuersatz 90 Prozent.


UMDENKEN. Die gegenwärtige Krise hat eine längst überfällige Diskussion über die Höhe von Gehältern ausgelöst. Eine gerechtere Verteilung der Erträge tut not. Von Michael Schmid.

Was macht der Direktor einer Großbank hundert Mal besser als eine Wiener Kindergärtnerin? Schwer zu sagen. Die Kindergärtnerin trägt wesentlich dazu bei, dass kleine Kinder wichtige soziale und kognitive Fertigkeiten erlernen, um sich später einmal im Leben zurechtzufinden. Eine verantwortungsvolle und gesellschaftlich bedeutende Tätigkeit. Bankdirektoren leiten komplexe Unternehmen, die eine entscheidende Geldverteilungsfunktion innehaben. Die Ergebnisse der Arbeit beider lässt allerdings heftige Zweifel an der Berechtigung großer Einkommensunterschiede aufkommen. Während die Kinder etwas gelernt haben, wurde von den Banken das Spekulationskarussell angetrieben. Die Ungleichverteilung der Reichtümer ist zügig vorangeschritten. Und heute steht ein Gutteil der Finanzinstitute mit dem Rücken zur Wand und ist auf staatliche Subventionen angewiesen. In anderen Industriezweigen sind die Resultate der Management- Arbeit ähnlich.

Weswegen sollten also Vorstände von großen Unternehmen hundert Mal mehr verdienen als Kindergärtnerinnen? Die persönlichen Fähigkeiten sind es wohl nicht. Kein Mensch kann hundert Mal mehr leisten als ein anderer. Gibt es volkswirtschaftliche Gründe? Auch nicht. Die Arbeit im Management von Großunternehmen ist für die Gesamtgesellschaft nicht besser als die von sozialen Berufen. Die Menschen mit den Rieseneinkommen verwenden dieses selten dazu, um für mehr Gerechtigkeit in der Welt zu sorgen. Also weg mit den Spitzengehältern. Nun ist es schwierig, Unternehmen das Zahlen von Phantasiegehältern zu untersagen. Die Steuerprogression funktioniert besser. Angestellte, die kein eigenes Vermögen riskieren und oft selbst im Fall von dramatischen Fehlentscheidungen mit üppigen Abfertigungen verabschiedet werden, müssen nicht so fürstlich entlohnt werden. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. 90 Prozent Spitzensteuersatz scheinen da nur recht und billig. Für eine bessere Verteilung des vorhandenen Wohlstands.

Die Sorge, dass sich dann die besten Leute aus dem Land verabschieden könnten und nur mehr Faule und Blöde übrigblieben ist unbegründet. Es gibt nämlich einen großen und äußerst erfolgreichen Feldversuch für dieses Steuermodell. In den USA gab es während der Präsidentschaften von Franklin D. Roosevelt, Harry S. Truman, Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy Spitzensteuersätze von über 90 Prozent. In jener Zeit, als sich die USA aus der Krise heraus zur größten Wirtschaftsmacht der Welt entwickelten.


.