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Mehr Mittel für die Mittelschicht


Wir müssen alle sparen. Sagen die Säulenheiligen freien Märkte. Weil uns sonst die freien Märkte bestrafen. Wir brauchen neue Steueranreize. Sagen die Apologeten des Kapitals. Die Steuerquote muss hinunter sagt daraufhin die Finanzministerin. Neue Belastungen wird es mit ihr nicht geben. Im Gegenteil, die Leistungsträger und die Mittelschicht müssen endlich massiv entlastet werden. Wer die sind, diese Leistungsträger. Schwer zu sagen. Laut Finanzministerin alle, die Einkommenssteuer zahlen. Die könnten zwar durchaus leistungsträge sein, weil die ererbten Zinshäuser und Obligationen ausreichend Erträge abwerfen. Aber so eng wollen wir das ja nicht sehen. Außerdem sind ererbte Vermögen ja ohnehin schon einmal besteuert worden. Bei den Erblassern und Erblasserinnen. Soso. Von Michael Schmid

Wer im Supermarkt an der Kassa sitzt, in den Pausen dazwischen schnell Waren einsortiert und nach Geschäftsschluss den Boden aufwischt, dann schon in der Freizeit, weil sich das in der knapp bemessenen Arbeitszeit nicht mehr ausgeht, der, nein die, gehört nicht mehr zur leistungswilligen Mittelschicht. Selbst wenn sie zuhause noch ein Kind hat. Und keinen Partner, der ein zweites Einkommen heimbringt. Auch diejenigen, die die Kinder tagsüber betreuen und ihr Bestes tun, damit sich die Kinder einmal im Leben zurecht finden, gehören nicht zu denen, um die es geht in den Programmen zur Förderung von Mittelschicht und Leistungsträgern.

Die Unternehmen allerdings, die ihre Gewinne solange hin und her schieben, bis fast nichts mehr übrigbleibt für die Gruppenbesteuerung, die wir bitte nicht angreifen, die sind sehr wohl der Mittelstand. Die schaffen nämlich Arbeitsplätze. Für die Leistungswilligen. So wie der Handyriese Nokia. 2008 wurde das Nokiawerk in Bochum geschlossen, weil es attraktiver erschien in Rumänien Hungerlöhne zu zahlen. 2011 wird das neue staatlich subventionierte Nokiawerk in Rumänien geschlossen, weil es nicht ertragreich genug ist. Dabei sind die Löhne und die Steuern dort exorbitant niedrig. Naja, ist wohl ein bedauerlicher Einzelfall. Bei uns hingegen kann das nicht passieren. Weil die Leute leistungswillig sind und die Gruppenbesteuerung so attraktiv ist. Roche schließt 2013 seine Forschungslabors in Graz. Vielleicht ist die Gruppenbesteuerung noch nicht attraktiv genug. Vielleicht sollte der Steuersatz noch ein bisserl hinunter. Damit wir den Standort Österreich wieder interessant machen.

Für die paar wenigen, die wirklich Geld haben ist er das schon längst. Die leben hier prächtig. Das soll auch so bleiben, wir wollen schließlich nicht nachschnüffeln, ob im Schlafzimmer vielleicht ein kleiner Rubens über dem Bett hängt. So was kommt, wie wir ja wissen, in den besten Mittelschichtfamilien vor.

Download: pool/mehr_mittel_fuer_die_mittelschicht.pdf