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Fragwürdiger Teilhaber der Wirtschaftskammer-Universität


Der saudische Scheich und Geschäftsmann Mohammed Bin Issa Al Jaber ist immer häufiger in den Schlagzeilen. Nicht wegen seiner wirtschaftlichen Erfolge, sondern wegen ausbleibender Zahlungen. Dennoch ist er Teilhaber der Privatuniversität der Wirtschaftskammer. Von Michael Schmid

„EXPANDING HORIZONS“ steht auf der Internet-Seite der wirtschaftskammereigenen Modul-Universität. Eine Unterseite ist dem 10-Prozent-Miteigentümer Al Jaber gewidmet. Diese informiert über Stipendien Al Jabers, von denen jährlich bis zu achtzehn vergeben werden sollen. Ein jedes davon könnte 25.000 Euro wert sein. Könnte. 25.000 Euro kostet das Studium an dieser Privatuni auf dem Wiener Kahlenberg. Stipendien werden allerdings keine vergeben. Denn Herr Al Jaber scheint nicht liquide. Jedenfalls fließt kein Geld.

Die Erfahrung, dass der kleine Scheich zwar gern in große Projekte einsteigt, aber dann recht schnell der Geldfluss versiegt haben in der letzten Zeit schon mehrere Betriebe hierzulande gemacht. Der traditionsreiche Tiroler Sportartikelhersteller Kneissl, dessen Haupteigner Al Jaber ist, tritt deswegen den Gang zum Konkursrichter an. Dasselbe Schicksal ereilte den Minderheitseigentümer am Al-Jaber-Luxushotel The Ring in Wien. Auch in der Causa Palais Schwarzenberg gab es nur Vertröstungen aber kein Geld. Die mehrheitlich Al Jaber gehörende Hotelgesellschaft JJW Hotel im Palais Schwarzenberg Betriebsgesellschaft hätte das renovierte Hotel betrieben sollen. Die Volksbankengruppe hatte für die Vorfinanzierung gesorgt. Allein Al Jaber war wieder einmal klamm. Nun soll ein anderer Betreiber einspringen. Die Volksbanken halten sich derweil an der Elf-Millionen-Euro-Besicherung schadlos. Al Jabers Rechtsvertreung Wolf Theiss hat ihr Mandat mittlerweile zurückgelegt, weil sie auf unbezahlten Honorarnoten in der Höhe von mehreren hunderttausend Euro sitzt.

Im vergangenen Dezember wurde Al Jaber in Ägypten wegen Urkundenfälschung und Kursmanipulation zu einer noch nicht rechtskräftigen zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Es ist also durchaus vorstellbar, dass er derzeit andere Sorgen hat, als sich um seine teils schwer belasteten österreichischen Unternehmen zu kümmern.

Kaum verständlich allerdings ist, dass die Wirtschaftskammer dem Treiben und Nichtzahlen ihres Nochimmer-Kompagnons tatenlos zusieht. Was soll mit diesem Beispiel den Studierenden an der Modul-Universität vermittelt werden? „EXPANDING HORIZONS“ kann ja wohl nicht bedeuten, dass man Gläubiger einfach warten lässt, in der Hoffnung irgendwann wird ihnen schon die Luft ausgehen. Es wäre hoch an der Zeit, dass die Kammer zu handeln beginnt und sich von ihrem fragwürdigen Partner trennt.


Mag. Michael Schmid hat Wirtschaft studiert, ist Kleinunternehmer und Mitglied des Koordinationsausschusses der Alternativen Wirtschaft.

Download: pool/wk und al jaber.pdf